Der Begriff Inkasso kommt aus dem italienischen, wie sämtliche auch noch heute gebräuchliche Bankbegriffe. Der Beginn des Inkassogewerbes in Deutschland fällt in die sogenannten Gründerjahre, als die Wirtschaft im Zeichen des Hochkapitalismus – bedingt durch geniale technische Erfindungen und vielfältige wissenschaftliche Fortschritte sowie durch die Befreiung von überalterten Bindungen (Gewerbefreiheit) – einen enormen Aufschwung nahm. Geschehen nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71.

Neue Unternehmen schossen wie keimender Samen aus dem Boden. Manche gerieten in Konkurs (heute Insolvenz). Der daraus resultierende, zum Teil finanziell unzureichend wirtschaftliche Boom führte zu einer enormen Steigerung des Kreditbedarfs und der Börsenspekulation. Auch nach dem ersten Weltkrieg führte der sich aus der Wirtschaftspraxis ergebende Bedarf zur Gründung von Wirtschaftsunternehmen, die sich speziell oder schwerpunktmäßig der Einziehung fremder Forderungen und der Erteilung von Wirtschaftsauskünften widmeten (Inkasso). Hier ist ein erster Höhepunkt bei der Gründung von Inkassounternehmen im engeren Sinne zu sehen. Nach dem zweiten Weltkrieg führte der wirtschaftliche Aufschwung zu einer weiteren Verbreitung des eigentlichen Inkassogewerbes. Insbesondere die in den 60er Jahren einsetzende Wirtschaftswunder bewegte inzwischen eingesessenen Inkassounternehmen aus den Bedürfnis der Zeit heraus, verstärkt „frische“ und nicht nur ausgeklagte Forderungen zur Einziehung zu übernehmen und beizutreiben. Bis in diese Zeit hinein war es praktisch cleveren Unternehmern, also Insidern vorbehalten, die Vorteile der speziellen Inkassodienstleistung zu erkennen und für sich zu nutzen. Inkasso hat eine reine Rechtsdienstleistungsfunktion kombiniert mit kaufmännischer Abwicklung. Die Betriebswirtschaftlichen Begriffe wie „out-sourcing“ „Factoring“ „Credit Management“ bzw. in weiterem Sinne „lean-Management“ treffen auf diese Tätigkeit voll zu.

Inkassounternehmen

Inkassounternehmen übernehmen heute mehr denn je für Gläubiger die Beitreibung überfälliger Forderungen, hinsichtlich derer Schuldnerverzug bereits eingetreten ist. Aktuell befinden sich derzeit Beitreibungsaufträge mit einem Volumen in Höhe von ca. 22 Milliarden Euro (Stand 2007) bei den ca. 700 in Deutschland ansässigen Inkassobüros zur Beitreibung. Dahinter steht der Zwang der Liquiditätsabsicherung für die Wirtschaftsunternehmen egal ob Dienstleister, Handwerker oder Unternehmen (siehe Basel II). Die sich verschlechternde Zahlungsmoral der Schuldner bedingt in Verbindung mit dem nachlassenden Erfolg einfacher Mahnungen (bitte bezahlen), benötigen heute effektiverer Mittel der Forderungseinziehung. Die betriebseigenen Mahnabteilungen werden allgemein als notwendiges, kostenintensives Übel betrachtet. Sie haben nichts gemein mit den eigentlichen Zielen der Gewerbetreibenden, die auf den Umsatz der angebotenen Leistungen und eben nicht auf die Hereinholung von deren Entgelten ausgerichtet sind.

Einziehung von Forderungen

Inkassounternehmen und Inkassobüros haben sich auf die außergerichtliche Einziehung von Forderungen unter gezieltem Einsatz gerichtlicher Maßnahmen mit Hilfe von Rechtsanwälten spezialisiert. Gegenüber Gläubigern kommt ihnen zugute, dass die Forderungseinziehung, die Beitreibung, ihr Kerngeschäftszweck ist, sie aufgrund des Umfangs ihres Geschäfts auf diesem Sektor betriebswirtschaftlich sinnvoll und effektiv mit besseren Methoden arbeiten und aufgrund ihrer Erfahrung die psychologisch bessere Mittelauswahl gegenüber dem Schuldner treffen können. Von dem rechtsberatend tätigen Anwalt unterscheiden sie sich durch ihre kaufmännisch straffe Unternehmensführung bezüglich Organisation, Personal und modernster Bürotechnik. All dies gewährleistet dem Auftraggeber im Bereich Wirtschaftsauskünfte, Factoring, Inkasso sowie Credit Management gerade in der heutigen Zeit die erforderliche Liquidität sowie den getätigten Umsatz abzusichern. Je nach Art und Umfang der beizutreibenden Forderungen sind Inkassounternehmen bemüht, ihre Auftraggeber im Rahmen eines komplett Angebots von der Mahn- und Beitreibungstätigkeit völlig freizustellen und sie für den gesamten, auch buchhalterischen Inkasso-, Zahlungs- und Abrechnungsverkehr vorzunehmen. Sie dienen dadurch als einzige Anlaufstelle für den Schuldner was Kosten und Personal in großen Umfang für den Gläubiger einspart und den Ertrag aus dem getätigten Umsatz wesentlich erhöht.